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Soziale Verantwortung: Integration als Thema im Betrieb

25.11.2013 - Joachim Noll ist Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Koblenz und Ausbildungsleiter bei Mercedes-Benz Koblenz. In seinem Kommentar beschreibt Noll, wie sein Betrieb Jugendliche mit Migrationshintergrund integriert.

Nolls Text ist ursprünglich auf der Website "Migration online" des DGB-Bildungswerks Bund erschienen - und ein echtes Beispiel guter Praxis für sozial verantwortungsbewusstes Handeln im Handwerk:

"Am 1. September 2013 hat bei uns das Ausbildungsjahr begonnen. Wir starten das seit Jahrzehnten immer mit gemeinsamen Aktivitäten von Auszubildenden, ihren Eltern und den Verantwortlichen aus dem Betrieb. Nach der Begrüßung durch die Geschäftsleitung und einem gemeinsamen Foto werden den Neuen und ihren Eltern auch die Betriebe gezeigt.

Wir wollen damit zum einen die Wertschätzung für unsere neuen jungen Kolleginnen und Kollegen sichtbar machen. Unser Nachwuchs ist ja auch die Zukunft unseres Betriebs. Das verdeutlichen wir. Zum anderen zeigen wir den Eltern, wo ihre Kinder künftig arbeiten, mit wem sie zu tun haben. Und obwohl die Kinder volljährig sind, ist das für die Eltern wichtig. Diese Einführungsaktivitäten kommen bei allen – Azubis und Eltern – gut an. Das sieht man allein schon daran, dass sich in der Regel alle Eltern dafür frei nehmen.

Das gilt für alle Eltern, ob mit Migrationshintergrund oder ohne. Das ist doch auch völlig klar, alle Eltern wollen für ihre Kinder das Beste und schauen hin, was sie machen. In diesem Jahr haben wir unter 15 neuen Auszubildenden nur einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Insgesamt haben wir 55 junge Leute in der Ausbildung, davon sechs mit Migrationshintergrund. Das sind immerhin zehn Prozent.

Ich höre immer wieder einmal, dass man auf Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders zugehen muss, damit sie – und auch ihre Eltern – wissen, wie wichtig eine Berufsausbildung ist. Als Ausbildungsleiter gehe ich seit Jahren in Schulen und auf Ausbildungsmessen. Ich rede mit Jugendlichen und mit ihren Eltern. Wir bieten Praktika an. Dabei habe ich nie beobachten können, dass Migrantinnen und Migranten mit dem Thema Ausbildung anders umgehen als Menschen deutscher Herkunft. Natürlich muss ich informieren, was eine Ausbildung bei uns bedeutet, welche Perspektiven sie bietet und so weiter. Die einen brauchen diese Informationen mehr, die anderen weniger. Das ist aber unabhängig davon, wo die Betroffenen oder ihre Eltern geboren sind.

Für uns spielt die Herkunft keine Rolle. Und das ist nicht nur so daher gesagt. Das lässt sich etwa auch an unseren Bewerbungsverfahren ablesen. Wir haben ein sehr komplexes Einstellungsprozedere. Das reicht von verschiedenen Tests bis zu einem Assessment-Center. Natürlich ist klar, dass schulische Leistungen in unserem Bildungssystem stärker als in anderen Ländern von der Herkunft abhängig sind. Sozial schwach gleich schlechtere Bildungschancen. Diese Faustregel ist durch zahlreiche Studien belegt. Das trifft nicht nur, aber oft auf Jugendliche aus Migrantenfamilien zu. Bei unserem Einstellungsverfahren sind Schulnoten auch eher zweitrangig. Sehr wichtig sind bei uns soziale Kompetenzen. Lernen kann man immer noch, und muss man immer noch.

Aktuell kommt noch eines hinzu. Was die technisch-gewerblichen Berufe angeht, spüren wir durchaus bereits den demografischen Wandel, im kaufmännischen Bereich sieht es noch etwas besser aus. Hinzu-kommt in Koblenz die geografische Lage. Wir sind von vier Mittelgebirgen „eingekesselt“. Jugendliche aus dem Umland können nicht einfach in einen Nahverkehrszug steigen und sind in einer halben Stunde vor Ort. Wir müssen die Potenziale ausschöpfen, die wir in unserer 100.000-Einwohner-Stadt vor Ort haben. Dazu zählen auch die jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Dieses Potenzial ausschöpfen können wir deshalb, weil wir es immer gemacht haben. Für uns ist Integration in den Arbeitsmarkt Alltag."